Himmel und Hölle


Leinenführigkeit Himmel und Hölle Hundetrainer Dresden Kai Hartmann

Das Ding mit der Leine

Im Folgenden beschreibe ich dir die wesentlichen Punkte der Leinenführigkeit bei einem Hund, der es nicht richtig vermittelt bekam, entspannt an seiner Leine zu gehen. Die Leinenführigkeit ist ein elementarer Bestandteil des Miteinanders von Mensch und Hund. Wesentlich dabei ist, dass der Mensch den Hund führt und nicht die Leine. Später soll es auch ohne Leine gut laufen und die mentale Verbindung darf nicht abreißen.

Um die Beschreibung kurz zu halten, werde ich auf philosophische und detaillierte inhaltliche Aspekte verzichten, und dir lediglich ein paar Anregungen liefern, wie du schnell ein entspanntes Miteinander mit deinem Hund erreichen kannst.

Dieser beschriebene Weg ist mein Weg, den ich so seit fünf Jahren geplagten Hundehaltern vermittle und er erhebt somit keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Nur bei besonders komplizierten Fällen oder sehr verhaltensoriginellen Hunden weiche ich davon in einigen Punkten ab.

Der erste Schritt – Die Vertrauenszone

Im ersten Schritt soll der Bereich um dich herum zur sicheren Vertrauenszone   für deinen Hund werden. Darin geschieht nur Gutes – wie eine freundliche Ansprache und ein herzliches Lob über ruhige Berührungen. Hier passiert nichts Störendes mehr. Kein Rucken oder Zupfen an der Leine, kein Stoßen des Hundes in die Seite, kein Anzischen oder Ermahnen. Nichts dergleichen darf ab sofort mehr geschehen. Bei dir ist es nur noch schön!

Dein Hund wird dabei über eine drei Meter lange Leine an einem Halsband gesichert. Die Leine ist leicht, hat keine Ösen oder Karabiner. Sie dient nur der Absicherung, damit die Flucht nicht zum Lösungsweg deines Hundes werden kann und wirkt wie der Sicherheitsgurt im Auto.  Es ist ausschließlich dein Job (und nicht die Aufgabe deines Hundes), dafür zu sorgen, dass die Sicherung nie ernsthaft zum Einsatz kommen muss.

Der zweite Schritt – Der Ablauf

Du sprichst deinen Hund in der Nähe freundlich und wohlwollend mit seinem Namen an. Die wichtigste Grundvoraussetzung hierfür ist, dass er dir zuhört. Hast du bei dieser Ansprache noch Defizite, solltest du diesen Punkt mit deinem Hund zunächst abschließend besprechen. Es ist ganz einfach und dauert in der Regel nicht länger als drei Tage. Die Handlungsschritte dazu erhältst du hier: Drei Tage drei Schritte.

Nach der Ansprache wendest du den Blick ab vom Hund und orientierst dich an einem Punkt, zu dem du gehen möchtest. Das kann alles sein, was dir die Umwelt bietet – ein Baum, eine Häuserecke, ein Verkehrsschild. Dort willst du hin und dort schaust du hin.

Will der Hund dich verlassen und vorrauslaufen, lässt du das bitte zu. Der Hund darf vor laufen, solange sich die Leine nicht spannt. Kurz bevor die Leine unter Spannung gerät, informierst du deinen Hund, dass dies ein Fehler ist. Informationen zu diesem wichtigen Schritt findest du hier: Die Sache mit dem Zisch.

Jetzt gib es zwei Möglichkeiten:

Erstens, der Hund kehrt zu dir zurück. Dann wartest du drei Sekunden und lobst deinen Hund anschließend ruhig, aber herzlich. Dabei streichst du ihn drei Mal fest in eine Richtung an einer Stelle, an der er besonders gerne Berührungen mag.

Zweitens, der Hund kehrt nicht zu dir zurück. Jetzt muss blitzschnell, kompromisslos und ohne Diskussionen etwas geschehen, was der Hund als unangenehm empfindet. Achtung: Unangenehm hat dabei nichts mit Schmerz, Gewalt oder gar der Überwindung mit Kraft zu tun! Vielmehr muss es eine nachhaltige Störung sein. Daraufhin wird der Hund zu dir zurückkehren und dann verfährst du wie unter Erstens beschrieben.

Warte danach wieder drei Sekunden, sprich deinen Hund erneut freundlich an und setze deinen Weg fort. Dieses identische Verhalten zeigst du nun weiterhin.

Das Unangenehme

Es ist eine schöne Möglichkeit, deinen Hund näher kennenzulernen. Was ist deinem Hund eigentlich angenehm und was nicht? Kennst du seine Motivationen? Was bewegt ihn etwas zu tun oder zu lassen? Was möchte er vermehren und was vermindern? Das solltest du wissen, um deinen Hund sicher führen zu können.

Kommunikation

In diesem Ablauf ist es besonders wichtig, keine Erwartungshaltung zu haben. Eher musst du ihm ein Versprechen abgeben: „Ich werde mich ab sofort immer gleich verhalten. Versprochen!“ Über dieses gleiche Verhalten, wirst du sehr schnell für deinen Hund berechenbar, er bekommt eine große Planungssicherheit und darüber ein tiefes Vertrauen in dich.

Alle Kommandos und schon angelernten Bewegungsabläufe wie Sitz, Platz, Bleib, Hier usw.sind nicht hilfreich. Halte dich fern davon. Weiterhin verzichtest du ganz bewusst in den ersten drei Wochen auf jegliche Überredung mit Wurst, Ball oder dergleichen in dieser neuen Gemeinsamkeit. Es geht nur um dich und deinen Hund.

Das Ziel

Sehr schnell wird dein Hund erkennen, dass es bei dir nur noch himmlisch ist und in der Entfernung die „Hölle“ auf ihn wartet. Daraufhin wird er dir sehr schnell viele Komplimente machen und gern wieder bei dir sein. Deine Vertrauenszone wird zum sicheren Raum für deinen Hund, so wie es sein sollte und so wie es im Welpenalter schon einmal war, bevor es irgendwo verloren ging. (Bei dir ist der „Himmel“.)

Notprogramm

Hast du einmal keine Zeit oder begibst du dich in eine Situation, wo du es nicht leisten kannst genau dieses gleiche Verhalten zu zeigen, empfehle ich dir deinen Hund über das Geschirr weiter zu führen. Das bietet deinem Hund und dir ein ganz deutlich anderes Bild und du zerstörst dir nicht dein Versprechen zur Leinenführigkeit.

Fertig

Mehr braucht es nicht, um mit dem Hund locker durchs Leben zu gehen. Dabei ist der wichtigste und entscheidendste Teil, dass du deinen Hund verstehst und seine Motivationen kennst. Geht es doch schließlich um deinen facettenreichen Hund mit seinen individuellen Stärken und Schwächen. Ein Einheitsdeckel lässt sich hier nicht darüberstülpen. Der Ablauf muss immer klar erkennbar bleiben. Dies ist das WAS du machst. Das WIE regelt eure Individualität.

Viel Erfolg

Ich wünsche dir bei deiner Umsetzung viele schöne Aha-Erlebnisse. In der Regel hat es der Hund nach drei Wiederholungen verstanden, nach drei Tagen ein festes Bild von deinem Versprechen und nach drei Wochen schon fest verinnerlicht. Nur deine Konsequenz sichert einen nachhaltigen Erfolg ab.

Herzliche Grüße, Kai

„Führung braucht Vertrauen“

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