Wie ich zum Hundetrainer wurde


Kai Hartmann Hundetrainer Dresden Hundeschule

Mein Weg

Oft werde ich gefragt, wie ich denn Hundetrainer geworden bin und wo ich alles gelernt habe. Im folgenden Text, habe ich viele meiner Erinnerungen aufgeschrieben und versucht, es so kurz es ging zu halten.

Ein Umbruch

Im Jahr 2009 haben mich ein Bandscheibenvorfall und darauffolgende unglückliche Operationen aus der Bahn geworfen. Bis dahin war ich als Key Account Manager After Sales Replacment Car Dealer für die Goodyear Dunlop Tires Germany tätig. Wow, was für ein Titel! Es war jedenfalls nicht ansatzweise das, was ich jetzt tue, aber es klang sehr spektakulär.

In meinem Genesungsprozess wurde mir klar, dass ich mich entscheidend verändern möchte. Doch was genau ich machen will, war mir lange nicht klar. Ich hatte verrückte Ideen – vom züchten von Wildkräutern für die Spitzengastronomie, bis hin zur Produktion von Hemden war alles dabei. Keine dieser Vorstellungen hat mich aber so richtig zufrieden gestellt. Ich wollte etwas Sinnvolles machen und gute Taten vollbringen.

Ein Hund muss her

Eines Morgens hatte ich dann eine Eingebung, ich hole mir wieder einen Hund in mein Leben. Während der kleine Yorkshire Terrier, Yasmin, mein junges Leben bereicherte, sollte es nun eine andere Rasse sein. Die Suche begann und bei der großen Auswahl, hatte ich ganz schön zu tun.

Schließlich fiel die Entscheidung auf einen Australian Shepherd und ich fand einen Züchter meines Vertrauens. Tine und Jens, die eine kleine Zucht in Gräfenhain betreiben, waren in einer Rettungshundestaffel tätig. Das war es! Mein Hund wird mal einen Job haben und damit Gutes tun.

So einfach ging es aber nicht. Ich habe mir die Rettungshundearbeit angeschaut und war schwer begeistert. „Das mache ich“. Meine Entscheidung stand fest. Jens teilte mir mit: „Es gibt einen Test, es gibt eine Probezeit und es müsste auch geschaut werden, ob mein Hund sich überhaupt dazu eignet.“ Meine Antwort war ganz kurz: „Ich mache das, wenn nicht bei euch, dann suche ich mir eine andere Staffel.“

Das hatte gesessen und ihn überzeugt, dass ich es ernst meine. Der Hund wurde also schon dementsprechend ausgewählt, um später dieser anspruchsvollen Aufgabe, gemeinsam mit mir, gerecht zu werden. Bis zuletzt wusste ich nicht genau, welcher Welpe mir zugeteilt werden wird.

Es fehlt da was. Nur was?

So nahm es seinen Lauf. SANTA, alias Benny, (das ist schon wieder eine neue Geschichte) zog in mein Leben ein und wir starteten die Ausbildung zum Rettungshundeteam. Er machte seine Sache ganz toll und war immer mit Feuereifer bei der Sache. Trotzdem hatte ich schon so ein ganz komisches Gefühl. Irgendetwas stimmte nicht.

Vorerst fielen wir durch unsere erste Begleithundeprüfung. Den Sachkundenachweis habe ich sofort bestanden. Das Laufschema hat Santa gut gemeistert. In der Freiablage angekommen, dachte er wohl, Klasse geschafft, habe ich gut gemacht. Er drehte sich in der Platzposition auf den Rücken, streckte die Beine wohlig in die Luft und grunzte zufrieden vor sich hin. Durchgefallen! Mit großer Freue holte ich ihn ab und wir lachten ganz herzlich. Gemeinsam verließen wir den Platz unter den Blicken der anderen Hundefreunde, die alle auch herzhaft schmunzeln mussten. Egal, wir hatten Freude. Ich suchte uns einen neuen Prüfungstermin und wir rockten das Ding dann auf einem fremden Platz in einem Hundesportverein. Bestanden!

Zur Prüfung für die Flächensuche in der Rettungshundearbeit, erschienen wir hochmotiviert. Santa, die alte Arbeitssau, konnte es kaum erwarten.  Die Anmeldung bei der Prüferin lief wunderbar. Als ich Santa die Kenndecke anlegte, damit wir in die Suche starten können, legte ich die Leine ab – das war keine gute Idee. Santa hatte das erste Opfer schon in der Nase. Der Verschluss der Decke klickte und Santa war weg. Ohne meine Freigabe war er selbständig ins Suchgebiet gestartet. Durchgefallen! Wieder einmal. Wir durften die Prüfung trotzdem laufen, aber nur zu Trainingszwecken. Er hat es toll gemacht und alle Opfer gefunden. Ich hatte es mit meiner Lockerheit versaut. Also, so lief das mit uns schon immer – wir hatten viel Freude an der Sache und waren Trainingsweltmeister, die die geforderte Leistung nicht in den Wald transportieren konnten.

Unser Alltag

So gut wie Santa in der Ausbildung war, so katastrophal war er im ganz normalen Leben. Er zerrte an der Leine, wollte den Postboten killen, verwüstete die Wohnung und ging auch anderen Hunden gehörig auf die Nerven. Ein richtiger Arschlochhund. So gefiel mir das überhaupt nicht. Ich zog aus, um das zu ändern und zu erfahren, woran das liegt.

Meine Reise von Trainer zu Trainer

Ich habe mir alles angeschaut was ich im deutschsprachigen Raum finden konnte und was mich interessierte. Ich habe gelesen und gelesen, Buch um Buch. Ich wurde fast wahnsinnig. Jeder erzählte mir etwas anderes. Nichts funktionierte nachhaltig. Noch mehr Sitz, noch mehr Platz. Das hat uns nicht geholfen, das konnten wir schon.

Die Erleuchtung

Durch einen Zufall habe ich von Hans Schlegel erfahren. Muss ich mir anschauen. Ganz kurz: er hat mich begeistert und endlich hatte ich es verstanden, weil Hans es ganz deutlich aussprach. „Erziehung und Ausbildung sind zwei völlig verschiedene Schuhe.“ Meine Lösung rückte näher. Ich investierte viel Geld und startete eine Ausbildung in der Schweiz bei Hans Schlegel zum Lernprozessbegleiter. Dazu schaute ich parallel nun ganz gezielt Dinge an, die im Bereich der Erziehung lagen und mit der Ausbildung von Hunden nichts zu tun hatten.

Der Start

Danach ging es mit großen Schritten voran. Wir fielen nicht mehr unangenehm auf. Wir wurden ein tolles Team. Endlich! Die ersten Menschen fragten mich nach Hilfe, weil sie sahen, wie leicht und leise wir miteinander umgingen. Dann kam die erste Anfrage von einem jungen Mädchen. Ich will, dass du mir hilfst. Was kostet das?

Was kostet das?

Und da hat es wieder mal klick gemacht. Genau. Was kostet das? Keine Rettungshundearbeit mehr. Ich werde Hundetrainer. Es ging los. Alle Weichen waren gestellt und ich konnte viele Fähigkeiten und Fertigkeiten aus meinem Job bei Goodyear Dunlop einsetzen. Es lief richtig gut und das tut es bis heute.

Weiterhin bildete ich mich immer fort, damit ich noch hundekundiger wurde. Ich habe geschaut, versucht, hinterfragt, verworfen, übernommen und auch neu gedacht. Das mache ich bis heute. Ich habe bisher schon viele tausend Hunde kennengelernt und gerade dabei von jedem einzelnen Hund lernen dürfen. Das ist mein größter Schatz.

Wie machst du das?

Meine Arbeit hat sich rumgesprochen und es kamen die ersten Kolleginnen und Kollegen zu mir, um sich mit mir auszutauschen. Sie lernten von mir und ich von ihnen. Ein schönes Miteinander. Der nächste Schritt war nicht weit. Ich konnte die ersten beiden Kolleginnen auf ihrem Weg zur Hundetrainerin begleiten.

Nicole Hertel arbeitet noch heute mit Menschen und Hunden selbständig unter ihrem eigenen Namen. Gelernt hat sie ihre Fertigkeiten am Hund von mir. Dabei durfte ich sie nicht nur bei ihrer Arbeit am Hund auf diesem Weg begleiten, sondern konnte auch mein Wissen und Können in Bereichen des Sozialen Marketings, des Aufbaus der Webseite und der Strukturierung ihres klaren Angebots einbringen. Hat mir viel Freude gemacht.

Nancy Wendler brachte eine starke Basis mit. Über ihr Studium war sie ganz toll vorbereitet im Bereich der Didaktik und auch der Psychologie. Dazu hat sie lange Zeit erfolgreich mit Pferden gearbeitet. Hier konnte ich wieder einmal sehr viel lernen, in einem Bereich der gerade in Veränderungsprozessen überaus wichtig ist – über den Menschen. Sie hat dafür von mir am Hund gelernt. Schnell waren viele Parallelen von Pferd zu Hund klar. Bis heute arbeite ich mit ihr ganz eng und partnerschaftlich zusammen, möchte sie nicht mehr an meiner Seite missen und wir ergänzen uns perfekt, so wird unsere Vision ganz oft Wirklichkeit  – damit Mensch und Hund sich verstehen. Zusammen sind wir ein unschlagbares Team. (www.nancywendler.de) An dieser Stelle auch mal ein ganz fettes Dankeschön an dich. Mit deinem pädagogischen Geschick und mit deiner großen Empathie, hast du so viel in mir bewegt, was mir nicht nur in meiner täglichen Arbeit so ungeheuer hilft.

Mein weiterer Weg

Immer mehr entdecke ich die Gemeinsamkeiten von Mensch und Hund, dabei begeistern mich gerade die Dinge, die wir vom Hund lernen können. Schlägt der Hund für uns immer auch die Brücke zurück zur Einfachheit der Natürlichkeit. Darüber spreche ich sehr gern, wie hier als Gast beim AUDI-Talk (hier klicken und du kannst die Aufzeichnung vom Audi-Talk anschauen)

2020 erscheint mein erstes Buch im KOSMOS-Verlag. Zum Buch gibt es auch einen Online Kurs, der dich überall begleitet, damit du die beste Version von dir selber wirst, die dein Hund bekommen kann.

Hier kannst du dich schon heute auf die Warteliste für das Buch und auch für den Online-Kurs setzen lassen. Da erfährst du dann ab und an was es neues dazu gibt und wann du das Buchen kaufen und mit dem Kurs starten kannst. So verpasst du nichts. Ganz sicher!

Meine Inspirationen

Zum Schluss verrate ich dir noch wer mich auf meinem Weg am meisten inspiriert hat. Folgenden Personen und Ideen bin ich sehr dankbar:

Alexander von Meißner
Es ist nicht wichtig mehr zu arbeiten. Wichtig ist zur richtigen Zeit genau das richtige zu machen. Dabei schlägt die Konzeption immer die Kondition.

Hans Schlegel
Erziehung und Ausbildung sind zwei völlig verschieden Schuhe und das herzliche Lob sollte das höchste Gut für den Hund sein, damit der Mensch zur Vertrauensperson wird.

Anne Krüger
Es gibt immer einen Weg damit Hunde lachen und in Harmonie mit ihren Menschen durchs Leben gehen. Dazu ist im ersten Schritt wichtig zu beobachten, zu beschreiben und nicht ständig zu bewerten.

Maja Maike Nowak
Ganz wunderbar wie sie in ihrer Arbeit den Menschen wertschätzt, da abholt wo er steht und durch einen Veränderungsprozess begleitet.

Ulv Philipper
Das der Hund sich sehr schnell anpasst, wenn der Mensch einen Plan hat und immer gleiches Verhalten zeigt über das der Hund eine große Planungssicherheit bekommt, aus der später Vertrauen wird. Alltag ist eben nicht planbar.

Dennis Panthen
Unglaublich wie einfach Training und Ausbildung sein kann, wenn das Konzept stimmig ist, damit aus müssen wollen wird, wenn der Mensch die Top3 der Motivprogramme seines Hundes wirklich versteht. So geht positive Arbeit richtig.

Nicole Brinkmann
Dem Hund hilft ein klarer Ja-Nein-Dialog und kein ständiges vielleicht. Dazu ruhig öfter mal die Klappe halten und mehr machen als quatschen

Ich bin total gespannt, wo es mich noch hintreiben wird. Den Hunden möchte ich ganz lange die Treue halten. Meine Meinung ist, dass wir alles in uns tragen, um mit den Hunden harmonisch durchs Leben zu gehen – damit Mensch und Hund sich verstehen. Das ist meine Vision, dafür stehe ich jeden Tag auf.

Herzliche Grüße Kai

„Führung braucht Vertrauen“

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