Problemhund

Wie ist denn das passiert?

Wie entstehen problematische Verhaltensweisen bei deinem Hund? Was macht also den Hund zum Problemhund und wie lange dauert das?

Im folgenden findest du dazu ein Experiment, welches du auch selber einmal durchführen kannst. Ich habe es auch schon ab und an einmal getan und es ist sensationell zu beobachten, was da so passieren kann. Alles ist möglich.

Das Experiment

“Vom Führen & Folgen – und wie Problemhunde entstehen: Ein persönliches Experiment mit meinem eigenen Hund!

Heute habe ich einen Gedanken in die Tat umgesetzt, der mir schon länger im Kopf herum ging: Wo landen wir und was passiert eigentlich, wenn ich meinen Hund ganz alleine entscheiden lasse, wo wir hin gehen?

Das Ergebnis ist erstaunlich, erschreckend und hat auch mich bei meinem eigenen Hund total überrascht! Es sagt aber am Ende ganz viel nicht nur über meinen, sondern sicherlich über ganz viele Hunde aus.

Wichtige Info vorab: Mein Hund Fifty ist ein absolut menschenbezogener, souveräner, belastbarer und wirklich freundlicher Hund, der mich seit 4 Jahren begleitet.

Aber von Anfang an:
Die Idee war, Fifty sämtliche Entscheidungen über die Richtung und die Wege, die wir heute gehen, selbst zu überlassen. Keine Kommandos, keine Richtungsanweisungen, also keine Informationen von meiner Seite an meinen Hund. Was ich wissen wollte: Wo gehen wir hin? Wie lange sind wir unterwegs? Kommen wir wieder am Auto an?

Gestartet sind wir an einem Bremer See, an dem wir häufiger mal spazierengehen. Und wie erwartet, ist Fifty erst mal freudig losgestürmt und hat am Anfang sozusagen unsere Routinestrecke genommen. Da gehen wir „immer“ lang! Wir sind dann weiter an einem Fleet, an dem sich ein Parzellengebiet anschließt. Hier ist Fifty das erste Mal von unserem gewohnten Weg abgewichen und hat die erste Möglichkeit genommen, in besagtes Kleingartengebiet abzubiegen. Normalerweise gehen wir hier 2 Kilometer bis zum Ende des Fleets und erst dann in die Parzellen. Das war für mich noch nicht so verwunderlich, denn in diesem Bereich gibt es viele Rehe – und die findet er, nun ja, sagen wir mal so… durchaus spannend! Er hatte also einen Plan und irgendwie auch ein Ziel…

Fifty war dementsprechend sehr freudig erregt, dass ich seinem Richtungsvorschlag gefolgt bin und konnte es kaum erwarten, dass ich ihm ein Tor öffne, das den Weg an dieser Stelle in die Parzellen frei gibt. Er ist dann vorgelaufen und hat sich fröhlich immer wieder in meine Richtung gedreht. Man konnte ihm förmlich ansehen, dass er diesen Weg super fand und noch viel mehr, dass ich ihn auch noch mit ihm gehe!

Da ich seine Entscheidungen nicht beeinflussen wollte, habe ich mich zurückfallen lassen, darauf geachtet, dass ich ihn keinesfalls überhole und bin in gewissem Abstand stehen geblieben, wenn er irgendwo zum schnüffeln inne gehalten hat.

Die erste Irritation folgte an der nächsten Gabelung. Dort blieb er stehen und wartete auf irgendeine Information von mir, wohin wir jetzt gehen. Da keine kam, hat er sich nach einigen Momenten dazu entschlossen, eine kleine Brücke zu überqueren. Hier kam die erste Überraschung: Der von Fifty gewählte Weg war ein Rundlauf, der am Ende bedeutete, dass man irgendwann auch über diese Brücke zurück muss. Wir sind diese Runde dann tatsächlich zwei Mal gegangen…

Nachdem wir das dritte Mal an der Brücke waren, war mein Hund das erste Mal wirklich verwirrt. Er stand an der Brücke und wusste ganz offensichtlich nicht, ob wir den Rundlauf noch ein weiteres Mal absolvieren sollen oder jetzt doch woanders lang gehen. Die ersten Fragezeichen in seinem Kopf tauchten auf und auch eine gewisse Hilflosigkeit, dass ich ihm keine Informationen über den weiteren Weg gebe. In welche Richtung seine Körperachse auch ging, ich habe mich einfach an ihm orientiert und mit gedreht, nur vorwärts gekommen sind wir nicht… Er ist nämlich nirgendwohin gegangen.

Nachdem wir an dieser Stelle etwa 3 Minuten ergebnislos gestanden haben, fing er an zu fiepsen, suchte immer wieder Blickkontakt und stupste mich mit der Nase an. Die Rute war inzwischen runter und die Fröhlichkeit von zuvor war wie weggewischt.

Ein paar Meter weiter kam schließlich ein Parzellist des Weges, der uns beobachtet hat und dem anzusehen war, dass er unser Treiben mehr als merkwürdig fand. Milde ausgedrückt… Dass der Mann zu uns herüber schaute, ist Fifty aber keinesweg entgangen und nachdem von mir überhaupt keine Hinweise für unseren weiteren Weg zu erhalten waren, hat er sich tatsächlich ziemlich fragend mittels Blickkontakt dem fremden Mann zugewandt. Der hat dann auch irgendwas zu ihm gesagt, das Fifty veranlasst hat, sich in seine Richtung zu bewegen. Da bin ich ihm natürlich gefolgt.

An diesem Punkt sind zwei sehr interessante Dinge bei meinem Hund passiert:
Zum einen war er sichtlich erleichtert, dass überhaupt irgendwer ihm eine Information gibt (und sei es ein völlig Fremder) und sich dadurch die vorherige Situation aufgelöst hat, zum anderen aber etwas viel spannenderes: Fifty ist zwar in Richtung des Mannes und damit über die Brücke gegangen, hat sich aber dem Fremden gegnüber dann eher misstrauisch gezeigt. Wie eingangs erwähnt: Fifty ist ein Menschen gegenüber absolut zugewandter, freundlicher und schmusiger Hund, den man im Alltag eher davon abhalten muss, bei allen Ko