Vermenschlichung

Werden wir dem Vertrauen unserer Hunde gerecht?

Grundsätzlich sind Hunde als hochsoziale Lebewesen bestens geeignet um mit uns Menschen ein freudvolles und geselliges Leben zu verbringen. Die Ausprägung der Hunde, während ihrer Lebenszeit ihr kindliches Wesen nicht zu verlieren, macht es uns so angenehm mit ihnen zusammen zu leben. In einem gemischten Familienverband kann es so ein wunderbares Miteinander geben. Hunde bringen von sich aus, durch Ihre Entwicklung bedingt, ein fast grenzenloses Vertrauen zu uns Menschen und eine enorme Anpassungsfähigkeit mit. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass sie die Anlagen eines Jägers und Beutegreifers teilweise noch tief in sich tragen.

Der Köperclown in uns Menschen

Schaffen wir es, uns so weit wie möglich auf unseren Hund einzustellen oder neigen wir eher dazu ihn zu vermenschlichen? Das bedeutet in erster Linie, seine natürlichen Anlagen zu akzeptieren, ihn genau zu beobachten und besondere Aufmerksamkeit seinem Hauptkommunikationswerkzeug -der Körpersprache- zu schenken. Wir Menschen kommunizieren sehr stark über unsere Sprache. Wir drücken damit Gefühle aus, täuschen aber auch Stimmungen vor oder verbergen damit etwas. Der Sprache der Hunde sind solche Lügen fremd. Unsere Hunde nutzen als Hauptinformationsquelle nicht das gesprochene Wort, sondern körpersprachliche und mimische Signale. Sie lesen uns und ihre Artgenossen genau und reagieren darauf. Diese Reaktionen erfolgen blitzschnell, eindeutig und lassen keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Aussage zu.

Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue wie einfach und klar meine beiden Hunde miteinander kommunizieren. Da spielen sich Szenen ab, die ersetzen jeden Fernsehabend um ein Vielfaches an Unterhaltung. Diese Körperspannung, das Anschleichen, das explosionsartige Losstürmen und alles gepaart mit einer so aussagekräftigen Mimik. Ich bin immer wieder begeistert! Parallel dazu nutzen Hunde ihren überragenden Geruchssinn und können so sehr frühzeitig einschätzen wenn ihnen im wahrsten Sinne des Wortes etwas stinkt.

Immer wieder bewundere ich Hunde für die Nachsicht mit uns „Körperclowns“. Eindrucksvoll ist der Wiederspruch der zum Beispiel entsteht wenn wir einen “Befehl” aussprechen und unsere Körperhaltung dem Hund genau das Gegenteil sagt. Der tägliche Fall: Wir wollen, dass der Hund zu uns zurück kommt und während wir ihn dazu freundlich einladend ansprechen, blocken wir ihn mit unserem Körper frontal ab. Ich als Hund würde mit uns Menschen manchmal aufgeben oder völlig verzweifeln.

Unser „unhündisches“ Leben

Unser Leben ist schnell, hektisch und wird immer technokratischer. Der enorme Leistungsdruck ist aus meiner Sicht das große Hauptübel mit dem wir täglich zu kämpfen haben. Dabei verdrängen wir zu schnell die Wichtigkeiten und flüchten uns in Ausreden. Wir verlieren uns und sind nicht mehr richtig bei uns. Heute schon denken wir an morgen, früh wird der Tag generalstabsmäßig durchgeplant, einiges wird auf das Genaueste abgewogen und möglichst über alles möchten wir die Kontrolle haben. Solche Vorgehensweisen sind unseren Hunden völlig fremd. Sie machen sich keine Gedanken über den Ausflug in den Wald in der nächsten Woche und planen auch nicht gedanklich schon ihre Tour durch das Unterholz. Sie leben im hier und jetzt und sind glücklich mit dem Augenblick. Wie herrlich muss das sein.

Kein Hundejob

Oft sollen Hunde auch in Rollen schlüpfen, die ganz klar uns Menschen vorbehalten sind. Seelentröster, Partner- oder Kinderersatz, bester Freund usw.. Das führt eindeutig zu weit. Hier werden dem Hund Dinge abverlangt, die er schlicht und ergreifend nicht leisten kann, weil sie einfach nicht sein Job sind.

Was der Hund jedoch richtig gut kann, ist uns den Spiegel vorzuhalten. Gerade bei verhaltensgestörten Hunden dauert es eine ganze Weile bis der Mensch am Ende der Leine erkennt das sein Hund ihn perfekt wiederspiegelt. Er zeigt ihm mit großer Genauigkeit seine Ungenauigkeiten an. Und das ist die große Chance, die wir nutzen müssen: den Hund genau beobachten und aus seinem Verhalten Rückschlüsse auf unser eigenes ziehen.

Der Ruf der Wildnis

Meine Beobachtungen in Erstgesprächen zeigen es sehr deutlich. Der Hund soll Freiheit und Weite in vollen Umfang genießen, am Horizont seine Bahnen ziehen und möglichst ausgelassen mit anderen Hunden durch die Gegend toben dürfen. Was an sich ja auch nicht schlecht ist. Nur sieht die Praxis dann leider immer ganz anders aus. Der Hund wird deutlich eingeschränkt, läuft an der Leine mit ordentlichem Zug auf seinem Körper und blendet dabei seinen Menschen völlig aus. Von Bindung und der daraus resultierenden möglichen Freiheit ist da leider nichts zu sehen.

Wie ist deine Einstellung zum Hund?
Siehst du deinen Hund noch als Hund?

Die meisten unserer Hunde werden als ganz normale Haushunde gehalten. Wir sollten ihre Grundbedürfnisse jedoch kennen und befriedigen und uns vor allem gut darü