Die 4 Wichtigkeiten in der Hundeerziehung – Teil 2 Folgen


Hundetrainer Dresden Kai Hartmann Folgen Dürfen

Ein Hund sucht das Glück

Mit dem Folgen ist das so eine Sache im Hundeleben. Das Wort Folgen im Umgang mit dem Hund beschreibt gleichzeitig zwei Dinge die untrennbar zusammen gehören: das Ausführen von Aufgaben durch den Hund und die Orientierung an seinem Menschen.

Die Grundlage dafür ist die Beachtung von Teil 1. Erst wenn ich mich tief in die Beziehung zu meinem Hund einlassen kann und er sich ebenfalls, wird es möglich werden, aus dem Folgen müssen ein Folgen dürfen werden zu lassen. Folgen dürfen ist ein wertvolles Privileg. Zu oft argumentieren wir dem Hund gegenüber nur und ausschließlich aus der Beschränkung. Halsband und Leine an den Hund, Leckerli in die Hand – das wird schon werden. Meist entscheidet der Hund jedoch schnell, dass er dazu andere, ganz eigene Ideen hat und es beginnt ein krampfhafter Kampf. Gerade in Reizlagen, wenn der Hund diese wichtige Beachtung abreisen lässt.

Der große Verlust

Jeder, der schon einmal das Glück hatte, einen Welpen aufzuziehen, kennt das: Der kleine Hund klebt uns förmlich am Hosenbein. Bewegt sich der Mensch, bewegt sich der Hund. Wo der Mensch ist, da ist der Hund. Dieses Geschenk, das der kleine Hund uns da macht, sollten wir uns golden einrahmen und gut pflegen. Leider tun wir oft viel zu viel dafür, dass dieses Geschenk der Natur verloren geht. Da soll der kleine Hund zum Beispiel mit anderen Hunden alles selber klären und wird dazu auch noch von seinen Menschen weggeschickt! Solche und andere Verhaltensweisen von uns Menschen führen zu dem großen Verlust dessen was sich die Menschen nur allzu sehr wünschen, wenn sie sich entschieden haben einen Hund zu adoptieren: Gemeinsamkeit.

Pflege das Gold

Für mich persönlich sehe es als wichtig an, meinen kleinen Hund immer im Auge zu behalten. Ich bin immer bereit, wenn es nötig ist und dann sofort zur Stelle. Dabei erkenne ich brenzlige Situationen schon BEVOR mein Hund sie erkennt und wehre auch Gefahren ab, wenn es sein muss. Das alles ist für mich eine Selbstverständlichkeit, die ich gern und mit viel Herzblut übernehme. Ich habe meinem Hund das Versprechen gegeben, ihn wohlbehalten durch diese Welt zu führen. Parallel dazu fordere ich seine hündischen Anlagen ohne ihn dabei zu überfordern. Weniger ist hier mehr. Über diesen Weg erreiche ich ganz nebenbei Respekt. Mein Hund respektiert mich, da er sich bei mir durch meine Führung sicher fühlt.

Aus Blech wieder Gold machen

Ist dieses große Geschenk verloren gegangen oder habe ich einen Hund mit unbekannter Lebensgeschichte aufgenommen, kann ich auch hier einen Weg finden, die oben genannten Merkmale wieder zum Leben zu erwecken. Es ist sogar sehr einfach. Ich vermittle dem Hund, dass es bei mir angenehm ist und außerhalb meiner sogenannten Komfortzone unangenehm. So kann ich den Hund über einen klaren Dialog meist schnell wieder vom Unangenehmen in das Angenehme zurückführen und ihm so die Harmonie bieten, die er braucht. Zur Unterstützung setze ich ganz klare Grenzen. Diese Grenzen sind keine Strafe, sondern bieten dem Hund schnell Orientierung und Sicherheit. Ich übernehme eindeutig die Führung ohne mich stets und ständig vom Hund abhängig zu machen. Dazu schränke ich zeitweise auch seinen Bewegungsspielraum deutlich ein. Ich binde den Hund im wahrsten Sinne des Wortes an mich. Fast so wie es früher die Mönche getan haben, als sie sich ihren Hund mit einem Bindfaden an die Kutte banden.

Wie geht es jetzt genau?

Eine generelle Bedienungsanleitung wirst du an dieser Stelle nicht finden. Es gilt hier immer ganz genau zu sehen, was der Mensch leisten kann und will. Der Hund nimmt Führung in aller Regel sehr schnell und dankend an. Dazu muss das GESAMTE Miteinander betrachtet werden und nicht nur „versucht werden“ das Thema Leinenführigkeit in einer Doppelstunde zu bearbeiten. Da gehört viel mehr dazu! Zum Beispiel: Welches Verhalten zeigt der Hund zu Hause? Welche gemeinsamen Aktivitäten unternehmen ihr und wie sehen diese aus? Wie steht es mit der Aufmerksamkeit auf BEIDEN Seiten, ganz besonders auf der des Menschen? Wie glaubwürdig agierst du? Diese und einige weitere Punkte gilt es genau zu analysiere, denn reagiert der Hund auf Kommandos, bedeutet das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass du den Hund auch sicher durch den Alltag führen kannst!

Distanz und Nähe

In Teil 3 werde ich mich dem Thema Kontakt widmen. Dazu zählen für mich alle sozialen Kontakte bis hin zur Fell- und Körperpflege. Oft laufen dabei für uns Menschen unbemerkt ganz kleine Vorgänge ab, die für unseren Hund enorm wichtig sind. Wunderbar, unsere Hunde – diese kleinen Egoisten.

Bis nächste Woche…

Dein Kai Hartmann
Hundetrainer Dresden

PS: Beobachte doch diese Woche einmal sehr aufmerksam, wie oft du deinen Hund ermahnen oder über Kommandos zu einer Handlung veranlassen musst. Das ist schon ein guter Indikator, ob du deinen Hund führst oder ihn eher kommandierst.

Über Teil 3 informiere ich dich auch in meinem Newsletter. Hier kannst du dich direkt dazu anmelden: Anmeldung

7 Antworten auf Die 4 Wichtigkeiten in der Hundeerziehung – Teil 2 Folgen

  1. Bianca Heckt sagt:

    Ich habe einen 3monatigen Welpen. Wenn ich ihn rufe „Komm“ dann kommt er nicht.. was kann ich da am besten tun damit er kommt…??

    BYRGITT10. März 2012 11:22

    Man muss es für den Welpen spannend machen. Erst mit ganz kleinen Abständen beginnen, und wenn der Welpe nicht abgelenkt ist, sich hinhocken, „komm“ sagen, in einem etwas höherem Tonfall & leise, wenn man leise spricht, erhöht man eine Aufmerksamkeit, und ihn locken, mit einem Leckerchen oder einen Spielzeug, das er toll findet, dabei vielleicht auch ein bisschen zurück gehen & damit die Neugier des Welpen erwecken. In der Regel folgt der Hund einem. Wenn der Hund ohne Zuruf einfach von sich aus zu einem kommt, die Gelegenheit nutzen & „komm“ sagen & den Hund belohnen, mit Spiel, Futter, Streicheln hoher, begeisterter Stimme, darauf achten, dass man sich nicht über den Hund lehnt, das wirkt bedrohlich, Streicheln auf dem Kopf (Stirn) finden viele Hunde auch bedrohlich. Den Spieltrieb nutzen, man kann auch mal ein bisschen weglaufen & „komm“ rufen, aber das eindeutig spielerisch, nicht das der Hund denkt, man läuft weg, weil Gefahr droht, wie gesagt, meist kommen Hunde automatisch wenn man sich wegbewegt, die Situation nutzen.
    Niemals in strengem Ton rufen, wieso soll der Hund kommen, wenn vom Menschen schlechtes Ausgeht? Und nicht zu oft üben, ein Hund kann sich nur wenige Minuten konzentrieren, besonders ein Welpe, für den die Welt voller spannender Eindrücke ist.

    KIRSTEN OLSEN11. März 2012 12:27

    Ich habe jetzt meinen Hund dazu gebracht dass er auf mein Rufen kommt wenn ein anderer Hund in unsere Richtung läuft.Das geht leider nur so,wenn ich mit meinem Hund allein spazieren gehe.Wenn ich zBs. mit meinem Vater ,der den Bruder meines Hundes dabei hat,im Wald bin und uns ein anderer Hund entgegen kommt ist mein Hund weg.Der hört dann auch nichtmehr auf mein Rufen.Das geht so nicht!Ein Hund muss klare Regeln kennen und IMMER zuverlässig kommen.Bis jetzt hab ich das immer so gemacht das ich in ziemlich kurz am Halsband halte wenn er abgehauen ist.Seit ich das mache kommt er ja auch zuverlässig wenn wir allein unterwegs sind.Wenn mich aber auch eine Person begleitet(aus meiner Familie)krieg ich richtig Ärger wenn ich die Konsequenzen durchziehe…. Kann mir bitte jemand helfen und mir sagen wie ich es schaffe das mein Hund in allen Situationen kommt und was ich sonst bei nichtbefolgen des Kommandos tun kann?

    ARIZONAA1. Juni 2013 21:19

    ich habe einen Jack Russel und sobald etwas spannender ist als ich… und tschüss. Da bekomme ich Sie nicht zurück gerufen. Und dann soll man ja, wenn Madame so gnädig ist und kommt auch noch freudestrahlend belohnen… ich habe immer das Gefühl, dass Sie es falsch versteht und meint ich Belohne das Weglaufen….

    SON JA14. Februar 2014 12:14

    Hallo…
    Unser Spike ist ein ca 2,5 jähriger , spanischer Straßenhund… wir haben ihn jetzt etwas über ein jahr… er hört grundsätzlich auf seinen Namen, dreht sich auch um , aber rennt dann trotzdem gern weg… Ich war in der hundeschule, dort wurde mir das “ vertreiben “ nahe gelegt , aber ich denke damit habe ich das Vertrauen zu mir zerstört, weil er das in der zeit auf gomera sicherlich mehr als einmal erlebt hat und er deswegen keine angst hat sein rudel zu verlieren, sondern einfach geht… mit dem schellen Training klappt es auch nur bedingt… leckerlie nimmt er unterwegs nicht… und ich möchte ihm so gern das Rennen ohne leine gönnen… habt ihr vielleicht einen Rat ?

    • Kai Hartmann sagt:

      Nocheinmal guten Abend Frau Heckt,

      diese von Ihnen in einem anderen Kommentar geschilderte Situation scheint ja schon länger zu bestehen. Ich gehe davon aus, dass diese angefügten Berichte aus einer Austauschplattform von Hundefreunden stammen und Empfehlungen an Sie darstellen. Aus meiner Sicht ist es da sehr schwer etwas zu übernehmen. Es muss zu Ihnen, Ihrem Hund und auch zur jeweiligen Situation passen.

      Haben Sie noch Fragen senden Sie mir gern eine Mail an: info@hundetrainer-dd.de

      Viel Erfolg bei der Suche Ihres Weges
      Kai Hartmann

  2. Bianca Heckt sagt:

    Unser Spike ist ein ca 2,5 jähriger , spanischer Straßenhund… wir haben ihn jetzt etwas über ein jahr… er hört grundsätzlich auf seinen Namen, dreht sich auch um , aber rennt dann trotzdem gern weg… Ich war in der hundeschule, dort wurde mir das “ vertreiben “ nahe gelegt , aber ich denke damit habe ich das Vertrauen zu mir zerstört, weil er das in der zeit auf gomera sicherlich mehr als einmal erlebt hat und er deswegen keine angst hat sein rudel zu verlieren, sondern einfach geht… mit dem schellen Training klappt es auch nur bedingt… leckerlie nimmt er unterwegs nicht… und ich möchte ihm so gern das Rennen ohne leine gönnen… habt ihr vielleicht einen Rat ?

    • Kai Hartmann sagt:

      Guten Abend Frau Heckt,

      dazu kann ich Ihnen aus der Ferne keine seriöse Antwort geben. So wie ich das aus der Entfernung lese, geht da ziemlich viel vor sich – in Ihrem Kopf. Es sind viele Vermutungen dabei. Auch hier wird der Weg hin zur Gemeinsamkeit nur über Sie gehen. Daher ist der erste Schritt eine Optimierung und Stärkung Ihrer Person.

      Noch einen schönen Abend
      Kai Hartmann

  3. Sarah Matthies sagt:

    Ich bin ja gestandener Fan von Dir und Deinen Hunden und könnte Deine Artikel immer wieder lesen, weil endlich jemand die Dinge auf den Punkt bringt.
    Was mir sehr häufig auffällt ist, dass grad Hundebesitzer die ihren Hund von klein auf ihr eigen nennen, oft die meisten Probleme haben. Dabei haben sie Hundeschulen besucht noch und nöcher. Und ich gebe auch hier vielen Hundeschulen die Schuld daran. Wenn ich lese Welpenspielgruppe dann sträuben sich mir persönlich die Haare, weil man zu 80% weiß wie das dann aussieht. Da wird nicht mehr auf die Mensch-Hund-Beziehung geachtet sondern die kleinen Stöpsel werden in ein Gehege gesteckt und können wild aufeinander los. Ich bin durch eigene Erfahrung damit kein Fan von…

    Ich wäre froh gewesen, wenn ich bei meinen beiden die Welpenchance gehabt hätte. Hatte ich aber nicht und wir haben lange an „uns“ gearbeitet. Bestimmt ist es hier und da nicht perfekt, aber das bin ich auch nicht. Doch habe habe das Vertrauen meiner Hunde und ich habe ihren Drang nach Nähe zu mir. Was will man denn mehr.

    Weiter glaube ich, dass viele Hundhalter auch nicht genug an sich selbst arbeiten, es entstehen zu viele Ausnahmen, weil man z.B. grad den Kopf voll hat oder die beste Freundin mit auf einen Spaziergang kommt und der Hund nicht mehr zu 100% beachtet wird. Fehler, die so gut wie alle schon gemacht und teils bereut haben. Ebenso dieser ständige Wechsel der so schön genannten“Methoden“, allein das Wort missfällt mir schon. Funktioniert Variante A nicht innerhalb von kurzer Zeit funktioniert oder der Hund ins alte Muster verfällt, dann wechselt man mal flott die „Methode“ zu Variante B. Eine Einstellung, die ich nicht teilen kann.
    Ich könnte jetzt endlos weiter aufzählen, doch ich denke Du weißt was ich meine.
    .
    Kai, Du bist leider leider zu weit weg, um mit Dir persönlich zu trainieren. Ich finde es so schade. Aber ich erfreue mich an jedem Deiner Artikel.

    Lieben Gruß
    Sarah
    Joker&Josie

    • Kai Hartmann sagt:

      Hallo Sarah,

      Dankeschön für deinen Kommentar. Aus meiner heutigen Sicht, zeichnet eine Führungsperson besonders ihre Empathie und Emotionalität aus. Das macht den großen Unterschied zum rein formellen, mathematischen Führer und sichert so eine erfolgreiche Gemeinsamkeit im Mensch-Hund-Team nachhaltig ab. Doch das liegt noch immer in einer wissenschaftlichen Grauzone. Gefühlswelten lassen sich eben nur schwer in Studien sicher nachweisen.

      Herzliche Grüße, Kai

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